Tradition verpflichtet

Das Comenius-Gymnasium wurde im Jahr 1908 von der damals noch selbstständigen Gemeinde Heerdt als „Höhere Knabenschule in Oberkassel“ gegründet. Erst seit 1951 trägt es offiziell seinen heutigen Namen, der sich aber schon längst eingebürgert hatte, weil das 1912 errichtete alte Schulgebäude am Comeniusplatz lag.

Johann Amos Comenius (eigentlich Jan Komensky, 1592-1670) war ein tschechischer Prediger, Wissenschaftler und bedeutender Pädagoge, nach dessen Überzeugung die Erziehung „allen alles allseitig“ („omnes omnia omnino“) vermitteln müsse – ein Motto, dem wir uns auch heute noch verpflichtet fühlen.

Die Schule erlebte zunächst als humanistisches Gymnasium, dem ein Realschulzweig mit naturwissenschaftlichem und neusprachlichem Schwerpunkt angegliedert war, einen raschen Aufschwung.

Mit der Errichtung der NS-Diktatur im Frühjahr 1933 vollzog sich die „Gleichschaltung“. Die Schüler wurden zum Eintritt in das Jungvolk und die HJ gedrängt, der Lehrplan wurde ganz auf die Förderung der NS-Ideologie und die Kriegsvorbereitung ausgerichtet. Dennoch scheint das Comenius-Gymnasium keine nationalsozialistische Musterschule gewesen zu sein. Nur wenige Lehrer waren Parteimitglieder und das konservativ-bürgerliche Umfeld und die Kirchengemeinden Oberkassels behielten ihr prägendes Gewicht. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt. Der Schulbetrieb kam im November 1944 vollends zum Erliegen.

Die Wiederaufnahme des Unterrichts erfolgte im Oktober 1945 unter schwierigsten Bedingungen. Es fehlte zunächst an allem: geeigneten Lehrkräften, intakten Klassenräumen, Schulbüchern, Lehrmitteln, Papier und Tinte, die Schüler mussten im ersten Winter sogar Heizkohle mitbringen. Man war dankbar, dass es in den Hungerjahren die „Schulspeisung“ gab. Bis 1958 fand auch das Cecilien-Gymnasium in den Räumen am Comeniusplatz Unterkunft, da das eigene Gebäude völlig zerstört worden war.

In den 60er Jahren – das Comenius-Gymnasium war restauriert als humanistisches Gymnasium mit alt- und neusprachlichem Zweig – solidarisierten sich große Teile der Schülerschaft mit der „68er-Bewegung“ und verlangten Reformen in Schule und Gesellschaft. Vehement forderten sie die Demokratisierung der Schule ein. Die mitunter chaotischen Schulverhältnisse am Comenius erlangten in jener Zeit überregionale Aufmerksamkeit.

Die unruhigen Zeiten sind längst überwunden, die Ideen der 68er Bewegung legten jedoch den Grundstein für den geistigen Wandel der Schule hin zu einer modernen Bildungsanstalt, die sich der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen verpflichtet fühlt und innovativ darauf reagiert. Der 1972 erfolgte Umzug vom Comeniusplatz in das neue Schulgebäude an der Hansaallee steht gewissermaßen symbolisch für diesen Wandel.

Eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der die Schule sich programmatisch stellte, war in den 90er Jahren die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Insbesondere Kinder mit russischer Muttersprache wurden in größeren Zahlen am Comenius-Gymnasium aufgenommen, erhielten zusätzliche sprachliche Förderung und gehörten am Ende ihrer schulischen Laufbahn häufig zu den Jahrgangsbesten.

Ebenfalls richtete das Comenius-Gymnasium als eines der ersten Düsseldorfer Gymnasien bereits Anfang der 90er Jahre eine Mittags- und Nachmittagsbetreuung für Kinder der Klassen 5 und 6 als Angebot ein. Auch damit reagierte die Schule auf gesellschaftlichen Wandel, insbesondere auf die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen und Müttern.

In den 90er Jahren hielten die neuen Medien Einzug in die Klassenzimmer der Schule, in vielen Fächern wurde ein Computer gestütztes Curriculum erprobt. Auch wurde die Verpflichtung auf ökologisches Denken und Handeln in das Schulprogramm aufgenommen.

Seit der Jahrtausendwende hat das Comenius-Gymnasium das bestehende Profil fortentwickelt und gleichzeitig neue Akzente gesetzt:

  • Seit über 30 Jahren richten wir kontinuierlich eine Klasse für die Absolventen der Realschulen ein, die in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe zusätzlichen Förderunterricht in Deutsch, Englisch und Mathematik erhalten. Die langjährigen Erfahrungen sind gut, der Zustrom von ehemaligen Realschülern zum Comenius-Gymnasium nimmt zu.

  • Partnerschaften mit Schulen in Frankreich, Australien und Spanien sowie die Teilnahme an EU-Projekten und internationalen Austauschen unterstützen die Orientierung unserer Schüler in einer zunehmend international geprägten Lebenswelt.

  • Wir haben das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld stetig ausdifferenziert und zu einem Schulschwerpunkt entwickelt. In diesem Profil spielen Wirtschafts- und Berufsorientierung eine zentrale Rolle.

  • Die Welt- und Wirtschaftssprache Spanisch kann am Comenius-Gymnasium bereits ab Klasse 5 zusätzlich zu Englisch gelernt werden. Dieses Angebot wendet sich an sprachbegabte Kinder. Es ist einzigartig in Düsseldorf und erfreut sich großer Nachfrage.

  • Getreu der Forderung unseres Namensgebers nach ganzheitlicher Bildung sehen wir die „Schulfitness“ unserer Kinder als hohes Gut an und haben die Förderung von Breitensport und Gesundheitserziehung zu einem weiteren Schulschwerpunkt erhoben. Die sportliche Profilierung der Schule wird durch eine gute sportliche Infrastruktur begünstigt.

  • Mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 hat das Comenius-Gymnasium den gebundenen Ganztagsbetrieb aufgenommen und gehört damit zu den Vorreitern unter den Düsseldorfer Gymnasien. Im Rahmen des Modellvorhabens „Ganz In“ ist das Comenius-Gymnasium gut vernetzt mit anderen Ganztagsgymnasien und erhält qualifizierte wissenschaftliche Unterstützung durch die Ruhrgebietsuniversitäten.

Die Angebote und das Profil der Schule haben positive Resonanz gefunden und der Schule stark gestiegene Anmeldezahlen beschert. Zahlreiche Auszeichnungen zeugen vom Erfolg der schulischen Arbeit.

Zurzeit besuchen 970 Schüler und Schülerinnen das Comenius-Gymnasium. Es herrscht ein angenehmes Schulklima, weil Schüler, Eltern und Lehrer sich für ihre Schule engagieren und sich dort wohlfühlen.