2015-06-22 - Zurück aus Texas

Back from Texas

Es ist Juli 2015, ich bin seit vier Wochen wieder in diesem komischen Deutschland. So viel ist anders. Alles ist so klein. Ich fahre nicht mehr Truck, sondern Rheinbahn, die Milch ist nicht mehr eine Gallone (3,78 Liter), sondern nur noch ein Liter. Meine Cowboy Boots wären hier nicht angebracht, ich trage wieder das, was alle anderen auch tragen.

Ein Jahr Texas!Nach meiner Abschiedsparty von meiner Familie und Freunden konnte es nun endlich losgehen. Im Sommer 2014 flog ich nach Dallas. Meine engsten Freunde waren am Flughafen für ein letztes ,,Goodbye” und auch der Abschied meiner Familie verlief sehr tränenreich.

Zunächst begann eine harte Zeit, begleitet von Heimweh, Fremdheit, sprachlichen Schwierigkeiten, doch ebenso von Neugier, Wissensdurst, Begeisterung und die Gewissheit eine tolle Familie bekommen zu haben. Von nun an hatte ich eine „host“ mom und einen „host“ dad. Die Familie sah mich als neues Familienmitglied und ich wurde vollständig integriert.

Ich hatte zwei Brüdern, Austin (21) und Cole (18). Sehr cool, ich kam in den Genuss endlich Brüder zu haben! Sie nahmen mich mit auf Autoshows, wir machten gemeinsam Mudding (mit dem Quad durch den Schlamm fahren), gingen zum Rodeo, ritten mit unseren Pferden und sie brachten mir das Auto fahren bei. Mittlerweile kann ich sogar Öl wechseln. J

Sonntags nach der Kirche gingen wir schießen. Das ist Texas!

Kennt ihr Sock-wrestling? Man steckt eine Socke in eine Socke am anderen Fuß und der Gegner muss sie in einem Bodenkampf entfernen. Sooo ein Spaß!

Sehr schnell ging es in die High-School. Meine Mitschüler nahmen mich herzlichst auf. Sie brachten eine Freundlichkeit an den Tag, von der ich begeistert war. Sie erklärten mir nicht, wo ich mein Klassenraum ist, sondern brachten mich direkt dorthin. Hier hat jeder Lehrer seinen eigenen Raum und die Schüler müssen wechseln.

Meine Fächer waren English, US History, Anatomy, Fashion Design, Math, Tennis und Culinary Arts. In Deutschland wäre ich in die EF gekommen, doch in Amerika ist es abhängig vom Niveau, auf dem man sich befindet. Zumindest gilt dies für die Austauschschüler. So hatte ich Unterricht mit Elft- und Zwölftklässlern. Unser deutsches Niveau ist schon sehr gut. In unserer Schule waren 1300 Schüler und es hatte sich schnell herumgesprochen, dass eine Deutsche gekommen ist. Zuerst begrüßten mich alle mit „Hi Germany!“, bis sie meinen Namen kannten, dann war es „Hi Charly!“, obwohl ich einige gar nicht kannte. Das war lustig!

Sport hat eine besondere Bedeutung in den USA. Entscheidet man sich für einen Schulsport, so hat man ihn täglich zwei Stunden. Wegen der acht Tennisplätze entschied ich mich dafür. Meine Mutter und Schwester, die mich am Ende meiner Zeit in den USA abholten, waren begeistert von der riesigen Schule. Wir hatten eine sehr große Mensa, Theater-Bühne, Aula, Bücherei, Foto-Dunkelkammer, ein Fernsehteam, Chor- und Bandproberaum, Fitnessstudio, Football-Indoortrainingsraum, eigenes Football-Stadion, Tennisplätze, Golftraining, Softballhalle usw.

Die Amerikaner können nur XXL!

Besondere Highlights sind Homecoming, Football-Spiele (jede High-School hat ihr eigenes Stadion), Prom (der Abschlußball) und natürlich die Abschlussfeier der High School. Es waren so viele Gäste, dass ein klimatisiertes Indoor-Stadion gemietet wurde. Eine wunderschöne Tradition, wenn alle in schwarzer Robe hinein marschieren und zum Schluss ihre Hüte werfen. 

Mit vielen Erinnerungen im Koffer bin ich nun nach Hause gekommen, aber:

My heart belongs to Texas. I am so blessed with two wonderful families. One in Germany and one in Texas!

Die Sommerferien 2016 werde ich bei meiner zweiten Familie in Texas verbringen, auf die ich mich jetzt schon sehr freue.

Zum guten Schluss: Mein High-School-Jahr in den USA war das Beste, was ich jemals gemacht habe! Auch wenn es viel Vorbereitungszeit, Geld und manchmal auch Tränen gekostet hat, würde ich es jederzeit wieder machen. Durch einen Auslandsaufenthalt lernt man unglaublich viel. Sowohl die positiven als auch die wenigen negativen Erfahrungen gehören beim Erwachsenwerden einfach dazu. Ich habe nicht nur den „American way of life“ gelernt, ein neues Land für mich entdeckt, eine neue Kultur kennengelernt und viele neue Freunde und Familienmitglieder gefunden, sondern ich habe auch mich selbst kennengelernt. Diese Zeit in den USA hat mich stark geprägt. 

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