2014-12-16 - Schriftbilder lesen und gestalten

Zu den Ausführungen sei den Betrachtern die folgende Galerie mit den Ergebnissen der Schülerinnen und Schülern empfohlen.


 

Im Rahmen des städtischen Programms „Jugend, Kultur und Schule“ ist nun nach rund vier ereignisreichen Monaten das Projekt „Schriftbilder lesen und gestalten“ zu Ende gegangen. In einer Pressekonferenz am 16.12.2014 wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Projekt „Schriftbilder lesen und gestalten“ entstand vor dem Hintergrund, dass Schüler heute hauptsächlich auf Tastaturen schreiben und die alte Kunst des Schriftschreibens und der persönlichen Handschrift immer mehr verloren zu gehen scheint. Noch dazu plant das Schulministerium das Schreiben-Lernen mit „vereinfachter Ausgangsschrift“!

Hier schreiben die Schüler mit großer Konzentration und mit Begeisterung Fraktur (auch „gothische Schrift“ genannt). Das Schreiben mit der Feder erfordert Geschick und Geduld. Schriftschreiben fördert die Konzentration, die Feinmotorik und ist eine meditative Tätigkeit.  Von dieser Art der meditativen Tätigkeit konnte man sich bei der intensiven Projektarbeit am Comenius-Gymnasium überzeugen.

Die Fraktur (auch „gothische Schrift“) war seit dem 16. Jahr-hundert die am meisten verwendete Schrift im deutschsprachigen Raum. Sie wurde 1941 von den Nazis verboten, weil man sie für ungeeignet für das „großdeutsche Reich“ hielt. Trotzdem verwenden heute leider gerade rechtsradikale Gruppierungen gern die Fraktur als typisch „deutsche“ Schrift.
Dass es bei einem solchen Schriften-Projekt unter anderem auch zu einer Verschönerung des Klassenraums kommen kann, ist zunächst nicht vorstellbar. Und so erklären es die Schülerinnen und Schüler:
Bei den Bilderreihen, die wir mit wieder ablösbaren Klebegummis an die Wände gebracht haben, achteten wir auf gleiche Formate, und einheitliche Gestaltungsvorgaben. Die Arbeiten aller Schüler kamen an die Wände.

Es handelte sich um logoähnliche Kompositionen aus drei Buchstaben einer Schrift. Nur drei Buchstaben und / oder Zahlen in verschiedenen Größen und Farben sollten es sein, angeordnet im rechten Winkel , sonst aber frei miteinander verbunden. Die Ergebnisse mussten auf gleich große Kartons aufgeklebt werden.

Angebracht wurden die Bilder als Gesamtbild auf Stellwänden oder an der Wand. Die gewählten Buchstaben sind Initialien zum Heine-Gedicht „Die heiligen drei Könige aus Morgenland“, die verschiedenen Buchstaben sollten in kräftige Farben gestaltet werden.

Ein weiterer Aspekt des Projekts, an dem sich ältere Schülerinnen und Schüler beteiligten, ging von den Fragen aus: Welche Schrift spricht welche Sprache? Wer ist der Adressat / die Adressatin der Logos und Labels? Die Schüler fotografieren hierzu zunächst Beschriftungen im städtischen Umfeld und sortieren diese nach Begriffen, die sie selbst dafür fanden.
Es wurde versucht, der Werbeindustrie ein wenig auf die Schliche zu kommen und die Geschichte der Firmenzeichen kennen zu lernen. Das Coca-Cola-Logo zum Beispiel, das jeder kennt, stammt aus den 1880er Jahren und wurde seitdem kaum verändert.
Schrift ist heute so selbstverständlich, dass sich manch einer gar nicht mehr über frühere, ältere Formen des Schreibens im Klaren ist.

Während jeder, der schöne alte Bücher im Regal stehen hat, die Fraktur lesen kann, fällt es schon der älteren Generation schwer, Sütterlin zu entziffern. Wer aber historische Handschriften lesen will, kommt nicht darum herum, sie zu lernen, denn bis in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war Sütterlin die deutsche Schreibschrift. Eine Reihe von Schülerinnen und Schülern des Comenius-Gymnasiums haben keine Mühen gescheut, haben Sütterlin wieder zu schreiben und lesen gelernt, so dass am Ende nette Briefe und Botschaften in der neu entdeckten „Geheimschrift“ verfasst wurden.

Ein umfassendes Projekt, bei dem nicht nur der Schrift ein besonderes Augenmerk gewidmet wurde, sondern ebenso der Geschichte, unserer Tradition und auch der heute üblichen Kommunikation mit Computer und Internet.
Ein besonderer Dank gilt der Grafikerin Inge Sauer und Elise Langer (Heinrich-Heine-Institut), den Lehrerinnen und Lehrern Herrn Dr. Wortmann, Herrn Limberg, Frau Kouri, Herrn Dr. Küsters sowie den Kunstlehrerinnen Frau Kesseler und Frau Cornelius.