2020-05-12 - Erfahrungsbericht: Lernen auf Distanz mit Hilfe von selbstständiger Projektarbeit

Erfahrungsbericht: Lernen auf Distanz mit Hilfe von selbstständiger Projektarbeit

Not macht bekanntlich erfinderisch und so hatte die Schulgemeinschaft des Comenius-Gymnasiums in den letzten Wochen reichlich Gelegenheiten neue Lernformate zu erproben. Ich berichte hier exemplarisch von zwei Projekten aus der Fachschaft Sozialwissenschaften.

Der Tagesablauf bei den Familien Zuhause ist momentan sehr unterschiedlich. Zwischen arbeitenden Eltern, lärmenden Geschwistern, Pflichten im Haushalt und der Spielekonsole gibt es keinen Stundenplan mehr, der von 11:55 – 12:40 Uhr Politikunterricht vorsieht. Und so erscheint das Schulbuch nicht geeignet, die eigene Langeweile und das Vermissen der Schulfreund*innen zu vertreiben.

Die Schüler*innen des Politikkurses der 9a und des Differenzierungskurs WiSo des 8. Jahrgangs bekamen daher einen eher ungewöhnlichen Arbeitsauftrag: Beschäftigt euch in den nächsten vier Wochen mit dem Thema „Für Demokratie Courage zeigen“ bzw. „Werte der unterschiedlichen Generationen“ und erstellt ein beliebiges Medienprodukt.

Mia gibt Tipps für mehr Zivilcourage

Diese knappe Aufgabenstellung bot die Möglichkeit, sich abhängig von den eigenen Ressourcen und Interessen unterschiedlich intensiv mit einem vorgegebenen Thema zu beschäftigen. Von dieser freiwilligen Möglichkeit machten fast alle Schüler*innen Gebrauch. Allein, in Teams oder Kleingruppen, koordiniert über Telefon, Chats und Videokonferenzen verwendeten sie sehr viel Zeit und Energie sowohl auf die Informationsgewinnung als auch auf die mediale Aufbereitung der Ergebnisse.

Obwohl ich im letzten halben Jahr die Begeisterungsfähigkeit vieler Comenius Schüler*innen kennen lernen konnte, war ich von der Vielzahl der kreativen Projektergebnisse überwältigt. Mich erreichten Kurzfilme, Podcasts, Zeitungsartikel, (telefonische) Experteninterviews, Theaterrezessionen, Kreuzworträtsel, Gewinnspiele, Zeichnungen, WhatsApp-Befragungen, Netzdiagramme und vieles mehr.

Zusätzlich zu den tollen Ergebnissen berichteten die Schüler*innen übereinstimmend von viel Spaß und neuen Erkenntnissen während der Projektphase.

So führte z.B. das Verbreiten von Fragebögen per WhatsApp zu einer überrepräsentativen Beteiligung der jungen Generationen. Daraufhin wurden kurzerhand Tanten und Onkels dazu aufgerufen ihre Fragebögen per Post zurück zu schicken.

Plötzlich wurde klar, dass der Bekannte der Eltern ein ausgewiesener Experte für das Projektthema ist, der für ein Interview zur Verfügung steht.

Um die einseitige Befragung von Personen aus dem gleichen sozialen und familiären Umfeld zu vermeiden wurden auch mal Mitarbeiter*innen von Geschäften angerufen oder die Befragung der Großeltern per Telefon lieferte die Grundlage für ein Gespräch über die Jugend während der Wirtschaftswunderzeit.

Diese beiden Projekte und ihre kreativen Ergebnisse zeigen wieder einmal, dass Schule mehr ist als Präsenszeit im Schulgebäude. Die intensive Beschäftigung mit einem für das eigene Leben relevanten Inhalt, die Planung und Koordinierung von Arbeitsschritten über mehrere Wochen hinweg und die Übertragung in ein allgemein verständliches Endprodukt schulen wichtige Kompetenzen, die über den Schulalltag hinaus Anwendung finden.

Ich bedanke mich bei allen beteiligten Schüler*innen und freue mich auf eine Vorstellung der gesammelten Ergebnisse in der Schule, sobald dies wieder möglich ist.

 

Zora Bobbert

Lehrerin für Sozialwissenschaften und Mathematik